Johannes Daniel FalkJohannes Daniel Falk (1768-1826)

Man schreibt das Jahr 1813. Es ist bitterkalter Winter. Napoleons Heere, auf dem Rückzug aus Russland, dringen plündernd und brandschatzend in Sachsen und Thüringen ein. Pest, Typhus und andere Seuchen wüten in den reihen der drangsalierten und vom Hunger geschwächten Bevölkerung. Im Hause des Legationsrates und Schriftstellers Johannes Daniel Falk und seiner Frau Caroline im thüringischen Weimar geht der Tod ein und aus: Drei ihrer Kinder sterben innert weniger Wochen. Nachdem sie ein viertes Kind zu Grabe getragen haben, bricht Johannes Falk zusammen und erkrankt schwer. Seine Genesung nach bangen Wochen erlebt er als Weisung Gottes, den ungeheuren Schmerz zu überwinden und fortan den Schwächsten der Schwachen beizustehen - den Kriegswaisen. Das Haus der Falks in Weimar öffnet sich für vagabundierende Kinder, die Dichterklause wird zum Notlager. Hunderte von Waisen sind es, die er und seine Frau aufnehmen, speisen, waschen, kleiden und von Krätze zu heilen versuchen. Er verschickt die Kinder in Handwerkerfamilien. Der "deutsche Pestalozzi" erkennt, dass er verwahrloste Kinder nur dann von der Strasse errettet, wenn er ihnen zu einer Ausbildung verhilft. Und statt beissender Satiren auf die höfische Gesellschaft schreibt der Goethe-Freund Johannes Falk jetzt erbauliche Lieder für "seine" Kinder. Es ist Weihnachten 1816, Johannes Falk feiert inmitten der Kinder, die ihn trösten, wenn er verzagen möchte. Und ein stilles Glück erfüllt ihn, wie sie sein für dieses Fest geschriebenes Lied anstimmen: O du fröhliche, o du selige, Gnaden bringende Weihnachtszeit! Schwer geprüfte Waisen haben wohl als erste unser berühmtes Weihnachtslied gesungen. Geschrieben hat es Johannes Daniel Falk auf die Melodie des sizilianischen Marienlobgesangs "O Sanctissima, o Pissima" (Diese Seite mit Midi-Sound). Ein sizilianischer Junge im Waisenhaus , so wird erzählt, habe den Dichter auf die Spur dieses Liedes geführt. Möglich ist das, denn Falk öffnete seine Türen nicht nur thüringischen Kindern; auch heimatlose Jungen aus Süd und Nord, die mit napoleonischen Heeren durch halb Europa zogen, fanden bei ihm Aufnahme. Falk war ein leidenschaftlicher Pietist, seine Menschenliebe grenzenlos: "Es kann niemand auf ein zweites Hemd Anspruch machen, solange noch irgend jemand nackt hinter dem Zaun sitzt."

O du fröhliche
O du selige
Gnadenbringende Weihnachtszeit
Welt ging verloren
Christ ist geboren
Freue, freue dich, o Christenheit

O du fröhliche
O du selige
Gnadenbringende Weihnachtszeit
Christ ist erschienen
Uns zu versühnen
Freue, freue dich, o Christenheit

O du fröhliche
O du selige
Gnadenbringende Weihnachtszeit
Himmlische Heere
Jauchzen Dir Ehre
Freue, freue dich, o Christenheit.